Warum ist Gesundheitskompetenz wichtig?

Eine geringe Gesundheitskompetenz bleibt für die Betroffenen wie auch für die Gesellschaft nicht ohne Folgen. Das Regionalbüro der WHO in Europa hat die empirischen Befunde zu dieser Frage zusammengestellt. Trotz einer noch lückenhaften Studienlage weisen die verfügbaren Ergebnisse hin auf eine

  • "reduzierte Teilnahme an gesundheitsförderlichen Aktivitäten und solchen zur Feststellung von Erkrankungen,
  • risikoreicheren gesundheitsbezogenen Entscheidungen (wie höheren Raucherquoten), mehr Arbeitsunfällen, suboptimalem Chronic Disease Management (wie Diabetes, HIV‐ Infektion und Asthma),
  • geringer Therapiemotivation,
  • mehr Klinikeinweisungen mit „Drehtür‐Effekten“,
  • höherer Morbidität und
  • mehr vorzeitigen Sterbefällen." (4)

Auch in der Referenzstudie zum deutschen Aktionsplan  zeigten sich Unterschiede bei der Einschätzung des eigenen Gesundheitszustands und dem Gesundheitsverhalten, bei der Nutzung des Gesundheitssystems sowie beim Informationsverhalten (1)

Auswirkungen niedriger Gesundheitskompetenz

"Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz schätzen ihren Gesundheitszustand schlechter ein"

Gesundheitskompetenz und Gesundheitsstatus stehen miteinander in Verbindung. Bisherige Forschungsergebnisse deuten auf einen starken statistischen Zusammenhang hin. Menschen mit höherer Gesundheitskompetenz schätzen ihren subjektiven Gesundheitsstatus in der Regel als besser ein und verhalten sich auch eher gesundheitsförderlich als Menschen mit niedriger Gesundheitskompetenz. Je nach Grad der Gesundheitskompetenz gibt es auch deutliche Unterschiede im Gesundheitsverhalten.

"Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz gehen häufiger zum Arzt."

Auch zwischen dem Niveau der Gesundheitskompetenz und der Nutzung des Gesundheitssystems ist ein Zusammenhang zu erkennen. Menschen mit einer eingeschränkten Gesundheitskompetenz nehmen das kurative Gesundheitssystem häufiger in Anspruch, nutzen aber Präventionsangebote seltener. 

"Haus- und Fachärzte werden häufig nicht verstanden."

Bei der Frage danach, wer die wichtigste Anlaufstelle bei der Suche nach gesundheitsrelevanter Information ist, steht der Hausarzt an erster Stelle, gefolgt vom Facharzt. Das Internet steht auf Rang vier. Auch das soziale Netz und besonders die Familie stellen eine wichtige Informationsquelle in Krankheitsfragen dar (28, 37)

Dass die Haus- und Fachärzte die wichtigste Informationsquelle darstellen, bedeutet nicht, dass sie auch immer verstanden werden. So ist der Anteil derer, die Erklärungen ihres Haus- oder Facharztes schon einmal nicht verstanden haben hoch. Informationen von Krankenkassen werden ebenfalls häufig schlecht verstanden.

Verständlichkeit von Erklärungen der Gesundheitsprofessionen
gesellschaftliche Herausforderungen

Gesellschaftliche herausforderungen

Eine Reihe ganz unterschiedlicher gesellschaftlicher Entwicklungen führt dazu, dass Gesundheitskompetenz zunehmend an Bedeutung gewinnt.

soziodemografische Einflussfaktoren

Welche Faktoren beeinflussen die gesundheitskompetenz?

Bestimmte soziodemografische Merkmale gehen häufiger mit einer unterdurch- schnittlich ausgeprägten Gesundheitskompetenz einher. Dazu gehören ein geringer Bildungsgrad und ein niedriger sozialer Status, ein Migrationshintergrund, ein höheres Lebensalter und das Vorliegen chronischer Erkrankungen.