Die Gesundheitskompetenz in deutschland stärken

Der Nationale Aktionsplan Gesundheitskompetenz

Wenn wir über Gesundheitskompetenz sprechen, geht es um den Umgang mit unserer eigenen Gesundheit, um Teilhabe, Mitsprache und Selbstbestimmung in allen Fragen, die unsere Gesundheit betreffen. Um gute Entscheidungen für unsere Gesundheit treffen zu können, sind wir auf Informationen angewiesen – ganz gleich ob es um gesunde Ernährung, Bewegung, Medikamente oder unterschiedliche Behandlungsalternativen geht. Gesundheitskompetenz bildet die Summe der Fähigkeiten, die wir benötigen, um uns gesundheitsrelevante Informationen im Alltag zu erschließen.

 

Eine repräsentative Studie hat gezeigt, dass sich über die Hälfte der Deutschen an dieser Stelle vor Probeme gestellt sieht. Dieser Gruppe fällt es eigenen Angaben zufolge schwer, gesundheitsbezogene Informationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und auf die eigene Lebenssituation anzuwenden. Das erschwert es ihnen, im Alltag Entscheidungen zu treffen, die für ihre Gesundheit förderlich sind. Das ist nicht nur für den einzelnen Menschen bedeutsam, weil sie ihn daran hindert, sich gut um seine Gesundheit zu kümmern. 

 

Die Verbesserung der Gesundheitskompetenz stellt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe dar, die einer systematischen Vorgehensweise bedarf und ein umfassendes bundesweites Programm erfordert. Ein Expertenkreis hat deshalb den vorliegenden Nationalen Aktionsplan Gesundheitskompetenz erarbeitet. Er benennt vier Handlungsfelder und formuliert dazu 15 konkrete Empfehlungen, um die Gesundheitskompetenz in Deutschland gezielt zu fördern und zu stärken. 

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Literalität

Was bedeutet eigentlich Gesundheitskompetenz?

Der Begriff „Gesundheitskompetenz“ hat sich als Übersetzung des englischen Begriffs „Health Literacy“ in der deutschsprachigen Diskussion durchgesetzt und bedeutet wörtlich „auf Gesundheit bezogene Literalität“. Darunter wurden ursprünglich die Schreib-, Lese- und Rechenfähigkeiten verstanden, die Menschen benötigen, um  etwa Behandlungsinformationen oder Hinweise zur Medikamenteneinnahme lesen und verstehen zu können.

Blaulicht

Warum ist Gesundheits-kompetenz wichtig?

Eine geringe Gesundheitskompetenz bleibt für die Betroffenen wie auch für die Gesellschaft nicht ohne Folgen. Das Regionalbüro der WHO in Europa hat die empirischen Befunde zu dieser Frage zusammengestellt. Hier zeigten sich ebenso wie in der Referenzstudie zum deutschen Aktionsplan  Unterschiede bei der Einschätzung des eigenen Gesundheitszustands und dem Gesundheitsverhalten, bei der Nutzung des Gesundheitssystems sowie beim Informationsverhalten. 

Hürde

Gesellschaftliche Herausforderungen

Eine Reihe gesellschaftlicher Trends werden dafür sorgen, dass die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung künftig noch an Bedeutung gewinnen wird. Neben dem Anstieg der Lebenserwartung und der Zunahme chronischer Erkrankungen spielen auch Entwicklungen wie die zunehmende Komplexität unseres Gesundheitssystems, der Wandel der Patientenrolle die wachsende soziale Ungleichheit oder Megatrends wie die Digitalisierung eine wichtige Rolle.


Forschungsergebnisse

Forschungsergebnisse für Deutschland

Eine im Jahr 2016 veröffentlichte repräsentative Studie zeigt: Mehr als die Hälfte, nämlich über 54 Prozent, der Bevölkerung in Deutschland sieht sich im Umgang mit gesundheitsrelevanten Informationen vor erhebliche Probleme gestellt. Nur sieben Prozent haben nach eigenen Angaben keine Schwierigkeiten im Umgang mit Informationen und  verfügen über eine sehr gute Gesundheitskompetenz. 

Gesundheitskompetenz in Europa

Gesundheitskompetenz in Europa

Befunde einer europäischen Untersuchung (HLS-EU) zeigen, dass Deutschland lediglich im Mittelfeld rangiert. In den Niederlanden, Irland und Polen ist der Anteil eingeschränkter Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung deutlich niedriger als in Deutschland. Auch im Vergleich mit den am HLS-EU beteiligten Ländern schneidet Deutschland nicht besonders gut ab.

Einflussfaktoren

Einflussfaktoren der Gesundheitskompetenz

Bestimmte soziodemografische Merkmale gehen häufiger mit einer unterdurchschnittlich ausgeprägten Gesundheitskompetenz einher. Dazu gehören ein geringer Bildungsgrad und ein niedriger sozialer Status, das Vorhandensein eines Migrationshintergrunds, ein höheres Lebensalter und das Vorliegen chronischer Erkrankungen. 


15 Empfehlungen

15 konkrete Empfehlungen

Der Nationale Aktionsplan Gesundheitskompetenz formuliert für die vier unterschiedlichen Handlungsfelder insgesamt 15 konkrete Empfehlungen zur Förderung der Gesundheitskompetenz in Deutschland. Sie beziehen sich auf die unterschiedlichen Lebenswelten, das Gesundheitssystem, das Leben mit chronischer Erkrankung sowie auf entsprechende Forschungsaktivitäten.

Umsetzungsprinzipien

Umsetzungsprinzipien des Aktionsplans

Der Nationale Aktionsplan Gesundheitskompetenz benennt fünf Umsetzungsprinzipien die bei der Förderung der Gesundheitskompetenz handlungsleitend sein sollten. Hierzu zählt beispielsweise die Verringerung sozialer Ungleichheit, die Veränderung individueller wie struktureller Bedingungen wie auch die Nutzung der Chancen, die sich durch die Digitalisierung eröffnen.

Handlungsfelder

Handlungsfelder des Aktionsplans

Um die Gesundheitskompetenz in Deutschland nachhaltig zu stärken, ist ein umfassender gesamtgesellschaftlicher Ansatz mit einem breit angelegten Programm notwendig. Dabei ist das Gesundheitssystem mit seinen unterschiedlichen Teilbereichen besonders gefordert. Aber auch das Erziehungs- und Bildungssystem und viele andere Bereiche gesellschaftlichen Lebens sind tangiert.