Forschungsergebnisse für Deutschland

Eine im Jahr 2016 veröffentlichte repräsentative Studie zeigt: Mehr als die Hälfte, nämlich über 54 Prozent, der Bevölkerung in Deutschland sieht sich im Umgang mit gesundheitsrelevanten Informationen vor erhebliche Probleme gestellt. Nur sieben Prozent haben nach eigenen Angaben keine Schwierigkeiten im Umgang mit Informationen und  verfügen über eine sehr gute Gesundheitskompetenz. Bei 38 Prozent lässt sich die Gesundheitskompetenz als ausreichend einstufen.

 

Der Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland fällt es also nach eigenen Angaben schwer, gesundheitsrelevante Informationen zu finden, zu verstehen, richtig einzuordnen, zu bewerten und zu nutzen, um beispielsweise bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen die passende Hilfe ausfindig zu machen. Das erschwert es ihnen, im Alltag Entscheidungen zu treffen, die für ihre Gesundheit förderlich sind. Kurz: Es mangelt ihnen an ausreichender „Gesundheitskompetenz“.

Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland

Über eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz zu verfügen, bedeutet auch, größere Orientierungs- schwierigkeiten im Gesundheitssystem zu haben, häufiger nicht zu wissen, an wen man sich bei gesundheitlichen Problemen wenden soll, häufiger in das Krankenhaus eingewiesen zu werden, öfter den ärztlichen Notfalldienst in Anspruch zu nehmen und häufiger vor Kommunikationsschwierigkeiten mit den Gesundheitsprofessionen gestellt zu sein. Zudem verfügen Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz nach ihrer eigenen Einschätzung häufiger über einen schlechten Gesundheitszustand.

 

Der Prozess der Informationsverarbeitung wurde unterteilt in vier Schritte untersucht: Finden, Verstehen, Beurteilen, Anwenden. Von diesen vier Schritten bereiten vor allem die Informationssuche und die Beurteilung der gefundenen Inhalte der Bevölkerung in Deutschland Probleme. Mehr als jeder Zweite findet es schwierig, gesundheitsrelevante Informationen zu finden. Ähnlich hoch ist der Anteil bei der Beurteilung relevanter Informationen. Mehr als ein Fünftel der Befragten findet es sehr schwer, gesundheitsrelevante Informationen einzuschätzen (1)

Dimensionen der Gesundheitskompetenz

Die Studie macht auf soziale Ungleichheiten zwischen Bevölkerungsgruppen aufmerksam. Vor allem Menschen mit Migrationshintergrund (71 %), mit geringem Bildungsniveau (62 %), mit niedrigem Sozialstatus (78%), mit chronischer Krankheit (73 %) und in höherem Alter (66 %) weisen eine vergleichsweise eingeschränkte Gesundheitskompetenz auf.

 

Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig die Förderung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland ist. Zugleich bilden sie eine Grundlage dafür, passgenaue und auf einzelne Bevölkerungsgruppen zugeschnittene Interventionsmaßnahmen entwickeln zu können, denn sie liefern wichtige Erkenntnisse über die Informations- und Kompetenzvoraussetzungen der Bevölkerung. Aus ihnen lassen sich wichtige Hinweise darüber ableiten, welche Interventionsmaßnahmen besonders aussichtsreich sein dürften. Dass Interventionen auf die Verbesserung der persönlichen Gesundheitskompetenz zielen sollten, steht außer Frage – doch ebenso, dass dies allein nicht ausreichend ist. Vielmehr ist erforderlich, auch das Gesundheitssystem viel stärker als bisher auf die Stärkung von Gesundheitskompetenz auszurichten und es informations- und nutzerfreundlicher zu gestalten. 

Download Originalstudie

Ergebnisbericht Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland

Schaffer, D.; Vogt, D.; Berens, E.M.; Hurrelmann, K. (2016): Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland. Ergebnisbericht. Bielefeld: Universität Bielefeld.

 

Download (PDF)

 

Fragebogen

Fragebogen

Bei der europaweiten Studie zur Erfassung der persönlichen Gesundheitskompetenz kam der HLS-EU-Q-Fragebogen (European Health Literacy Survey Questionnaire) zum Einsatz (25). Er erfasst selbst eingeschätzte Schwierigkeiten beim Management von gesundheitsrelevanten Informationen. Die Gesundheitskompetenz der Befragten wird je nach Häufigkeit der mit „einfach“ oder „schwierig“ beantworteten Fragen in die Kategorien „exzellent“, „ausreichend“, „problematisch“ oder „inadäquat“ eingeteilt. 

soziodemografische Einflussfaktoren

Welche Faktoren beeinflussen die Gesundheitskompetenz?

Bestimmte soziodemografische Merkmale gehen häufiger mit einer unterdurch- schnittlich ausgeprägten Gesundheitskompetenz einher. Dazu gehören ein geringer Bildungsgrad und ein niedriger sozialer Status, ein Migrationshintergrund, ein höheres Lebensalter und das Vorliegen chronischer Erkrankungen. 

europäischer Vergleich

Ergebnisse im europäischen Vergleich

Im 2011 durchgeführten European Health Literacy Survey (HLS-EU) verfügten mehr als 47 Prozent aller Studienteilnehmer über eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz. 

Herausforderungen

Gesellschaftliche Herausforderungen

Eine Reihe ganz unterschiedlicher gesellschaftlicher Entwicklungen führt dazu, dass Gesundheitskompetenz zunehmend an Bedeutung gewinnt.