Tagungsrahmen

 

Die Förderung der Gesundheitskompetenz ist eine Aufgabe, die alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens berührt und das Engagement vieler Akteure fordert – im Gesundheitswesen ebenso wie in den Bereichen Erziehung, Bildung, Arbeit, Forschung, Kommunikation oder Konsum. Der am 19. Februar 2018 öffentlich vorgestellte Nationale Aktionsplan Gesundheitskompetenz (NAP) ist in dieser Hinsicht ein Etappenziel, ein Stein im Mosaik, der seit Jahren an Intensität gewinnenden Diskussion über Gesundheitskompetenz. In der Shanghai Deklaration der WHO aus dem Jahr 2016 wird die Förderung von Gesundheitskompetenz sogar als eines der drei prioritären Handlungsfelder weltweit vorgeschlagen und mit der Verwirklichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung verknüpft. Gesundheitskompetenz gilt als Determinante, welche die Verbesserung der Gesundheit bewirken kann, gleichzeitig zu einer gerechteren Verteilung von Gesundheitschancen und der Verringerung von Ungleichheiten in der Gesundheit beitragen kann. Mit der Shanghai Deklaration haben sich die WHO-Mitgliedsstaaten sogar dazu verpflichtet, nationale und kommunale Strategien zur Stärkung der Gesundheitskompetenz zu entwickeln und umzusetzen. Durch die Astana Erklärung von 2018 bestärkt die WHO diese Strategie und hebt insbesondere die Bedeutung der Gesundheitskompetenz für den Bereich der primären Gesundheitsversorgung hervor. Es ist ein Meilenstein in der hiesigen Diskussion, dass die Bundesrepublik Deutschland mit dem NAP einer solchen Forderung anfänglich bereits nachkommen konnte. Deutschland beginnt damit im weltweiten Vergleich aufzuholen und Anschluss an die internationale Entwicklung im Bereich Forschung, Praxis und Politiktransfer zu bekommen.

 

Das zweite internationale Symposium zum Thema Gesundheitskompetenz an der Universität Bielefeld nimmt diese Entwicklung auf und hat das Ziel den aktuellen internationalen und nationalen Diskussionsstand in den Bereichen Forschung, Praxis und Politik zu diskutieren und nach den Entwicklungsherausforderungen im hiesigen Kontext zu fragen. Offene Fragen der Grundlagenforschung werden ebenso adressiert wie die Notwendigkeiten der Verantwortungsübernahme und Finanzierung. Mit den Schwerpunkten in den Bereichen: 1) Populationsbezogene Studien, 2) Gesundheitskompetenz vulnerabler Gruppen und 3) Interventions- und Evaluationsforschung zur Stärkung der Gesundheitskompetenz wird versucht, diesen Herausforderungen in spezifischen Diskussionsfeldern Rechnung zu tragen.

 

Gesundheitskompetenz wird vor diesem Hintergrund als wichtige Bedingung gelingender Gesundheitsförderung gesehen. Gleichzeitig aber wird aus der Forschungs- und Praxisperspektive auf die personalen und sozialen Determinanten von Gesundheitskompetenz abgehoben. Hier sind die verfügbaren sozialen und ökonomischen Ressourcen von besonderer Bedeutung, das Bildungskapital, individuelle Besonderheiten, aber auch strukturelle Bedingungen wie die Zugänglichkeit von gesundheitsrelevanten Informationen, deren Niedrigschwelligkeit und Zielgruppenpassung und schließlich die Performanz professioneller Gesundheitskompetenz im Gesundheitssystem sowie die Schaffung geeigneter Strukturbedingungen, die den Erwerb von Gesundheitskompetenz unterstützen und nicht ungewollt verhindern und somit zur Stärkung der Nutzerposition beitragen.

Bei einer solchen Herangehensweise taucht die gesamte Bandbreite der Diskussion über die Möglichkeiten von Gesundheitsförderung und -versorgung wieder auf. Die Besonderheit ist aber: Gesundheitskompetenz verkleinert den Fokus der Betrachtung. Sie ist auf die Fähigkeiten des Individuums im Umgang mit gesundheitsrelevantem Wissen einerseits und die Bedingungen des Umgangs mit dieser Informations- und Wissensbasis andererseits ausgerichtet. Im Mittelpunkt stehen dabei natürlich auch die einzelnen Subjekte: Sie zu stärken, ohne sie zu überfordern und ihre Autonomie im Umgang mit der eigenen Gesundheit zu fördern, ohne die Verantwortung an das einzelne Individuum zu delegieren.

 

Das Symposium »Gesundheitskompetenz – Forschung, Praxis und Politiktransfer« stellt zugleich das Gründungssymposium für das Zentrum für Gesundheitskompetenzforschung an der Universität Bielefeld dar. Das Zentrum soll nationaler Knotenpunkt der grundlagen- und anwendungsorientierten Forschung werden und die Verbindung zur internationalen Health Literacy Forschung intensivieren.

 

Wir freuen uns darauf Sie am 2. und 3. Mai 2019 in Bielefeld begrüßen zu dürfen.

 

Ihre TagungskoordinatorInnen

 

Prof. Dr. Doris Schaeffer und Dr. Eva-Maria Berens

Universität Bielefeld

Fakultät für Gesundheitswissenschaft
AG6 - Versorgungsforschung und Pflegewissenschaft

Prof. Dr. Ullrich Bauer und Orkan Okan

Universität Bielefeld

Fakultät für Erziehungswissenschaft

AG2 - Sozialisation, Zentrum für Prävention und Intervention

im Kindes- und Jugendalter