Welche Faktoren beeinflussen die Gesundheitskompetenz?

Bestimmte soziodemografische Merkmale gehen häufiger mit einer unterdurchschnittlich ausgeprägten Gesundheitskompetenz einher. Dazu gehören ein geringer Bildungsgrad und ein niedriger sozialer Status, das Vorhandensein eines Migrationshintergrunds, ein höheres Lebensalter und das Vorliegen chronischer Erkrankungen. 

Einflussfaktoren von Gesundheitskompetenz

Niedriger sozialer Status

Die Gesundheitskompetenz steht in einem engen Zusammenhang mit sozialer, wirtschaftlicher und gesundheitlicher Ungleichheit. Menschen, die aufgrund geringer Bildung oder begrenzter Zugriffsmöglichkeiten auf finanzielle und soziale Ressourcen benachteiligt sind, sehen sich vor größere Schwierigkeiten im Umgang mit gesundheitsrelevanten Informationen gestellt. Im Vergleich zu Menschen mit hohem Sozialstatus und guter Ressourcenausstattung weisen sie einen höheren Anteil an eingeschränkter Gesundheitskompetenz auf.

 

Menschen mit niedrigem Bildungsgrad finden es doppelt so häufig schwierig, mit gesundheitsbezogenen Informationen umzugehen, wie Menschen mit einem hohen Bildungsgrad. Von den Menschen mit einem niedrigen sozialen Status verfügen 78 Prozent über eine problematische oder inadäquate Gesundheitskompetenz, bei jenen mit einem hohen sozialen Status sind es nur 38 Prozent. Die Verknüpfung von sozialer Ungleichheit und Gesundheitskompetenz stellt in Zeiten wachsender soziodemografischer Unterschiede eine besondere Herausforderung dar. Eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz und mangelnde Fähigkeiten, angemessen mit gesundheitsrelevanten Informationen umzugehen, können bestehende gesundheitliche Ungleichheiten verstärken.

Migrationshintergrund

Menschen mit Migrationshintergrund schneiden im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung deutlich schlechter ab:

  • Fast 18 Prozent von ihnen verfügen über eine inadäquate, 53 Prozent über eine problematische Gesundheitskompetenz (1).
  • Dabei sind die Anforderungen im Bereich der Gesundheitsförderung aus ihrer Sicht am schwierigsten zu bewältigen: Knapp 70 Prozent verfügen auf diesem Gebiet über eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz und haben beispielsweise erhebliche Schwierigkeiten damit, zu beurteilen, wie sich ihre Wohnumgebung auf die Gesundheit und das Wohlbefinden auswirkt. 

Weil der Anteil an Menschen mit unterschiedlichem Migrationshintergrund in Deutschland weiter steigt, bedarf diese Bevölkerungsgruppe künftig größerer Aufmerksamkeit – auch bei der Förderung von Gesundheitskompetenz. Dabei ist zu beachten, dass diese Gruppe in sich sehr heterogen ist und große kulturelle und sprachliche Vielfalt aufweist. 

Höheres Lebensalter

Ältere Menschen gehören ebenfalls zu den Gruppen, für die der Umgang mit Gesundheitsinformationen Herausforderungen aufwirft.

  • Zwei Drittel der älteren Bevölkerung in Deutschland haben eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz.
  • Nur drei von 100 Menschen, die 65 Jahre oder älter sind, sehen keine Probleme damit, gesundheitsrelevante Informationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und umzusetzen.
  • Bei den Älteren ab 75 Jahren liegt der Anteil der Menschen mit eingeschränkter Gesundheitskompetenz bei über 75 Prozent (36).

Der hohe Anteil eingeschränkter Gesundheitskompetenz älterer Menschen stellt insbesondere mit Blick auf den fortschreitenden demografischen Wandel eine Herausforderung dar. 

Chronische Erkrankungen

Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen sehen sich über- durchschnittlich häufig vor Probleme im Umgang mit gesundheitsbezogenen Informationen gestellt.

  • Nur eine Minderheit der Befragten, die mit einer chronischen Erkrankung lebt, findet es leicht, mit gesundheitsrelevanten Informationen umzugehen.
  • Knapp drei Viertel – rund 73 Prozent – schätzen die damit einhergehenden Anforderungen als schwierig ein und weisen eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz auf (1).

Eine der Ursachen dafür liegt in den höheren Anforderungen, mit denen Menschen mit einer chronischen Erkrankung bei der Krankheitsbewältigung und der Navigation im Gesundheitssystem konfrontiert sind. 

Forschungsergebnisse

Forschungsergebnisse für Deutschland

Eine bereits im Jahr 2016 veröffentlichte repräsentative Studie zeigt: Mehr als die Hälfte, nämlich über 54 Prozent, der Befragten weist eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz auf. Nur sieben Prozent verfügen über eine sehr gute, 38 Prozent über eine ausreichende Gesundheitskompetenz. 

Notfallversorgung

Warum ist Gesundheitskompetenz wichtig?

Je nachdem, wie ausgeprägt die Gesundheitskompetenz ist, zeigen sich Unterschiede bei der Einschätzung des eigenen Gesundheitszustands und dem Gesundheitsverhalten, bei der Nutzung des Gesundheitssystems sowie beim Informationsverhalten.